Warum der Wald uns wohl-tut – Teil 2

«Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese ist grün.» (Hildegard von Bingen, 1098 – 1179)

Hallo liebe Leserin, lieber Leser, heute führe ich im zweiten Teil des Artikels die wohltuende Wirkung des Waldes auf uns Menschen weiter aus.
Ich gehe zudem näher darauf ein, weshalb Wald sogar eine heilende Wirkung auf uns haben kann.

Waldbaden

In Japan ist Shinrin-yoku eine Tradition. Übersetzt bedeutet Shinrin-yoku «Waldbaden». Damit meine ich nicht etwa das Baden im Waldsee, sondern das Eintauchen in die Waldatmosphäre bei einem Spaziergang oder einem Marsch und das damit einhergehende Einatmen der Waldluft. Und das mit allen deinen Sinnen. So gesehen also das achtsame Eintauchen in den Wald und die bewusste Aufnahme dieser Atmosphäre. Erinnerst du dich noch an das, was ich im vorletzten Artikel über Achtsamkeit geschrieben habe? Bewusst innehalten, verweilen und geniessen. Genau. Das geht auch beim Waldbaden und erhöht dessen wohltuenden Effekt um ein Vielfaches.   

Zurück zum Shinrin-yoku: 1982 schlug die staatliche japanische Waldbehörde vor, Shinrin-yoku zu fördern. Heute ist «Waldbaden» in Japan eine offiziell anerkannte Methode zur Vorbeugung gegen Krankheiten sowie zu deren unterstützenden Behandlung. Es wird von der staatlichen Gesundheitsbehörde weiter gefördert und an den medizinischen Universitäten und Kliniken erforscht, gelehrt und durchgeführt. Im Jahr 2012 wurde an japanischen Universitäten ein eigener medizinischer Forschungszweig ins Leben gerufen: «Waldmedizin». Und das mit gutem Grund. Denn Wald ist Medizin.


Wald beschleunigt die Genesung

Damit du nicht denkst, ich sei jetzt total abgehoben, unterstreiche und belege ich diese und die folgenden Aussage/n mittels wissenschaftlicher Studien.

1984 (!!!) wurde in der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift Science eine Studie von Professor Roger Ulrich veröffentlicht. Darin belegte Ulrich, dass alleine schon der Ausblick hinaus ins Grüne und/oder auf Bäume, die Heilung nach Operationen deutlich beschleunigt. Das Ergebnis dieser Studie war sogar signifikant, weshalb sie die wissenschaftlichen Ansprüche erfüllte. Die PatientInnen, die in Zimmern mit Aussicht auf Bäume und/oder ins Grüne lagen, benötigten nach den Eingriffen deutlich weniger und schwächere Schmerzmittel. Und die Wirkung war nachhaltig, denn Komplikationen als Folge von Operationen blieben ebenfalls geringer. Ulrich bewies weiter, dass bereits Naturfilme und Naturbilder förderlich auf die Genesung wirken und Schmerzen lindern.

Und obschon Zimmerpflanzen die Heilung nach Operationen verbessern sowie die Notwendigkeit von Schmerzmitteln verringern, sind sie – natürlich aus hygienischen Gründen – in unseren Krankenhäusern und Kliniken verboten! Wer Gärten besuchen kann, braucht weniger Antidepressiva und Schmerzmittel. Diese Beobachtung ist sehr wertvoll und trotzdem bleibt sie unbeachtet. Ob die Nicht-Umsetzung dieser Erkenntnis der auf Gewinn-Maximierung der Pharmaindustrie ausgerichteten Schulmedizin zuzuschreiben ist? Du darfst gerne darüber nachdenken …


Wald löst Stress

Der Waldmediziner Professor Qing Li konnte mittels Urinproben von zahlreichen PatientInnen und mit signifikantem Ergebnis belegen, wie Waldatmosphäre die Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin nachhaltig senkte. Bei Männern reduzierte der Aufenthalt von einem einzigen Tag im Wald das Adrenalin um fast 30 Prozent. Nach zwei Tagen im Wald sogar um 35 Prozent. Bei Frauen sank das Adrenalin nach dem ersten Tag im Wald um mehr als 50 Prozent und nach dem zweiten sogar um sage und schreibe mehr als 75 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert! Was für eine Erkenntnis, gerade hinsichtlich Burnout! Frage an dich: Welche Psychopharmaka schaffen das? Auch darüber darfst du dir Gedanken machen …

Wald hat also eine Stress lösende Wirkung. Waldatmosphäre aktiviert ausserdem den Nervus Vagus, auch das ist inzwischen nachgewiesen. Der Vagusnerv ist Teil des vegetativen Nervensystems und repräsentiert den weiblichen Pol davon. Er ist der Nerv der Ruhe und Regeneration und als solcher zuständig für die Entspannung sowie die Wiederherstellung unserer körperlichen und geistigen Reserven.

Japanische Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass die Stress lösende Wirkung des Waldes auf unser Eingeweidenervensystem und die Stresshormone Cortisol und Adrenalin sowohl über unsere Seele als auch über so genannte Terpene (sekundäre Pflanzenstoffe, die ihnen als Kommunikationsmitttel dienen) geschieht. Ja, du hast richtig gelesen: Pflanzen kommunizieren auch untereinander. Und zwar ständig, über Duftstoffe (Pheromene) und ein für Menschen unhörbares Knacken ihrer Wurzeln. Aufgrund dieser – auch nachgewiesenen – Tatsache kann gesagt werden, dass der Wald ein einziges zusammenhängendes und ständig kommunizierendes Lebewesen ist.


Wald ist Medizin

Koreanische und japanische Wissenschaftler haben zudem nachgewiesen, dass allgemein Natur-Erlebnisse und Waldwandern im Besonderen erhöhten Blutdruck senken und die Herzfrequenz beruhigen.

Dass Pflanzen eine heilende Wirkung haben können, weiss die Naturheilkunde schon seit ewigen Zeiten. Auch Hildegard von Bingen wusste das bereits. Die moderne Forschung fängt jetzt endlich langsam an, sich damit eingehender zu beschäftigen. Waldaufenthalte stärken nämlich nachweislich unser Immunsystem, was anhand der erhöhten Anzahl so genannter Killerzellen abgelesen werden kann. Und nicht nur das. Die Killerzellen werden zudem im Wald auch aktiver. Japanische Waldforscher haben sogar belegen können, dass in Gebieten mit Wald weniger Menschen an Krebs und seinen Folgen sterben als in Regionen ohne!

Wenn du einen Tag im Wald verbringst, hast du für sieben weitere Tage mehr natürliche Killerzellen im Blut als sonst. Wenn du zwei Tage hintereinander im Wald verbringst, steigerst du die Anzahl deiner natürlichen Killerzellen um mehr als 50 Prozent. Und wenn du einen kleinen Waldurlaub von zwei bis drei Tagen machst, bleibt die Anzahl der natürlichen Killerzellen im Blut sogar um weitere 30 Tage erhöht! Kommt hinzu, dass eine «Waldtherapie» nicht nur die Anzahl deiner natürlichen Killerzellen im Blut erhöht, sondern auch ihre Leistung um mehr als 50 Prozent steigert!

Wenn ich mir so überlege, was Killerzellen bereits unter normalen Umständen alles können, dann ist diese Steigerung einfach nur grandios! Dank dieser «grünen Stärkung» können deine Killerzellen noch mehr Viren aus deinem Organismus entfernen. Sie können die Entstehung von Krebs effizienter verhindern und das Wachstum von Tumoren hemmen, die bereits entstanden sind.


Wald hat mich am Leben erhalten

Waldluft enthält krebsreduzierende und immunstärkende Terpene. Ihr Einatmen wirkt wie ein «Heiltrunk». Waldluft ist – und das ist, wie du jetzt hast erkennen können, wissenschaftlich bewiesen – ein wundervolles und das natürlichste Arzneimittel überhaupt. Irgendwann gelangen wir alle wieder zur Erkenntnis, dass Mutter Natur es schon richtig macht und wir sie nur aufzusuchen brauchen. Sie ist immer für uns da. Sie beschenkt uns reichlich. Und sie kostet nichts.

Um gesund zu werden und zu bleiben, brauchst du keine Mediziner*innen und Psychotherapeut*innen zu konsultieren, die dir eine Waldtherapie verordnen. Es reichen Waldspaziergänge in Eigenregie. Ich bin der (über)lebende Beweis dafür. Auch dazu darfst du dir gerne den einen oder anderen Gedanken machen …

 

Herzlich, Monica

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Kommentare (6)

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    Michaela

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    Wie immer ist es eine Freude und ein Denkanstoss, Deine Blogartikel zu lesen. Zu diesem Thema gerade ein Zufall, dass ich von Peter Wohlleben – das geheime Leben der Bäume las.

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      Monica Rehm

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      Herzlichen Dank, liebe Michaela. Es freut mich, wenn ich die Lesenden mit dem, was ich schreibe, zum Denken anstosse. Ziel erreicht 😉 Herzlich, Monica

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    Silvia Abegglen

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    Schön geschrieben! Ich kann dir nur zustimmen. Habe vor Jahren einmal einige Wochen im Wald gearbeitet und gelebt, dies im Rahmen einer Studie zum Waldsterben der Schweizerischen Vogelwarte. Die Arbeitstage waren seeehr lang, trotzdem wurde ich immer ruhiger und entspannter und habe den Wald mit all seinen pflanzlichen und tierischen Lebewesen viel intensiver wahrgenommen!

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      Monica Rehm

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      Liebe Silvia, herzlichen Dank für deine wunderbaren Zeilen! Herzlich, Monica

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    Ü-Mum

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    Wie immer sehr gut und inspirierend be-/geschrieben.
    Morgen machen wir einen ausgedehnten Waldspaziergang nach dem
    Qi-Gong am Morgen….:-) LG, Ü-Mum änd the little fämeli

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      Monica Rehm

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      Danke für dein Kompliment und viel Spass im Wald,
      herzlich, Monica

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