Warum Angst haben meistens sinnfrei ist

Heute lege ich dir dar, liebe Leserin, lieber Leser, wie Angst definiert wird, wie sie entsteht, warum es in gewissen Situationen sinnvoll ist, Angst zu haben, in den meisten Situationen Angst jedoch eine irrationale und unangemessene Reaktion ist, und weshalb Hypnose gerade bei Blockaden, die aus Angst entstanden sind, so wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

 

Definition von Angst

Angst, Definition nach Pschyrembel, klinisches Wörterbuch: unangenehm empfundener, eine Bedrohung oder Gefahr signalisierender emotionaler Gefühlszustand; erhält unter Umständen Krankheitswert, wenn die Angst ohne erkennbaren Grund bzw., infolge inadäquater Reize ausgelöst und empfunden wird.

Angst kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten und ist in der Regel begleitet von psychischen und physischen Symptomen: Unsicherheit, Unruhe, Erregung, evtl. Panik, Bewusstseins-, Denk- und/oder Wahrnehmungsstörungen, Anstieg von Puls- und Atemfrequenz, verstärkte Darm- und Blasentätigkeit, Übelkeit, Zittern, Schweissausbruch.

Formen der Angst:

  1. realistische Angst (Furcht) als Reaktion des Ich auf eine objektive Gefahr; nach Extremsituationen ggf. Traumatisierung und bei wiederholter Konfrontation Auftreten der Angst als so genannte Signalangst, die Abwehrmechanismus und Coping (= Verhalten zum Bewältigen schwieriger Situationen; Anm. Red.) auslöst.

Um diese sinnvolle Angst, für die wir auch gerne das Wort «Respekt» gebrauchen, und die wir unseren Kindern (wenn wir welche haben) möglichst früh beibringen wollen, soll es hier nicht gehen. Ohne Respekt vor beispielsweise Autos kann ein Mensch in einer Grossstadt kaum überleben. Insofern ist die Angst vor Autos in diesem Fall lebenserhaltend.

Mir geht es heute vielmehr um die frei flottierende Angst, die neurotische Angst sowie die Phobie.

  1. frei flottierende Angst; nicht auf ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation gerichtet; z. B. generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1);
  2. neurotische Angst: stammt aus einem unbewussten Konflikt und tritt im Rahmen neurotischer Störungen, z. B. bei Phobie bzw. Angstneurose, auf. Neurotische Angst kommt bei fast allen Psychosen vor.

Die neurotische Angst ist als Reaktion auf eine bestimmte aktuelle konkrete Situation nicht angemessen. Tatsächlich wurde sie anlässlich vergangener Situationen und früherer Erlebnisse im Unterbewusstsein abgespeichert und wird in ähnlich empfundenen Situationen und Erlebnissen immer wieder produziert. Ob die Situation oder das Erlebnis dem ursprünglichen Ereignis entspricht oder nicht, spielt für das Unterbewusstsein dabei keine Rolle. Die so produzierte Angst hat sich sozusagen in der Zeit verirrt.

Die frei flottierende Angst sowie die neurotische Angst sind Bestandteil vieler affektiver Störungen (ICD-10: Formenkreis F3), insbesondere der unterschiedlichen depressiven Störungen (ICD-10: F32 und F33).

 

Definition von Phobie

Phobie, Definition ebd.: Synonym = phobische Störung (ICD-10: F40); Angstneurose, die durch bestimmte Gegenstände oder Situationen ausgelöst wird und meist mit Einsicht in die Unbegründetheit verbunden ist.

Das bedeutet nichts Anderes, als dass die Betroffenen sehr wohl wissen, dass ihre Phobie völlig unnötig und irrational ist (Anm. Red.).

Formen der Phobie:

Z. B.: Agoraphobie (Angst vor grossen weiten Plätzen), Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), Tierphobie, Erythrophobie (übertriebene Angst vor dem Erröten), Flugangst, Höhenangst, Prüfungsangst. (Der volksmundlich angewandte Begriff «Angst» ist in diesem Zusammenhang im Prinzip falsch, denn es handelt sich ja um eine Phobie.)

Als Folge einer Phobie können beispielsweise Vermeidungsverhalten, Zwangsstörungen, zunehmende Einengung des Handlungsspielraums bis zur kompletten Isolation, depressive Störungen sowie unter Umständen Suizidalität auftreten.

 

Die widersinnige Papiertigerphobie

Angst in Form von realer Angst, Furcht oder Respekt sichert uns das Überleben. Das ist richtig!

In der Steinzeit mussten die damaligen Menschen tatsächlich auch noch um ihr Überleben bangen. Es gab gefährliche Raubtiere, und da waren die Angehörigen der feindlichen Stämme. Die Angst vor dem Säbelzahntiger und dem menschlichen Feind war begründet. Die Chance zu überleben lag maximal bei 50:50. Oft war das Verhältnis noch mehr zu Ungunsten des Betroffenen.

Wenn wir nun die obige Definition betrachten, ist hier von der realistischen Angst, der Furcht, dem Respekt die Rede, die in solchen Extremsituationen mit echtem Gefahrenpotenzial (Raubtier und/oder Feind) sinnvoll ist.

In unseren Breitengraden (die Rede ist von Mitteleuropa) sind solche Extremsituationen und echte Bedrohungslagen tatsächlich nur noch äusserst selten der Fall, wenn wir ehrlich sind.

Unser Reptiliengehirn konnte mit der rasenden Entwicklung von uns Menschen jedoch nicht Schritt halten und ist noch in der Steinzeit hängen geblieben. Da es nun in unserem Alltag praktisch keine echten Bedrohungen mehr gibt, in denen Angst rational begründet ist, hat es sich Wege gesucht, diese Angst trotzdem irgendwie ausleben zu können.

Und so sind diese irrationalen Ängste entstanden und abgespeichert worden, die sich immer mal wieder über unser Unterbewusstsein äussern: Angst vor Objekten, Angst vor gewissen Tieren, Angst vor Menschenansammlungen, Angst vor Wasser, Angst vor dem Fliegen, Angst vor der Höhe, Angst vor engen Räumen, Angst vor grossen weiten Plätzen, Prüfungsangst, Angst zu versagen, Angst sich verletzlich zu zeigen, Angst zu kündigen, Trennungsangst, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor Veränderung, etc.

Und wenn wir das ganz ehrlich betrachten, dann sind solche Ängste total absurd, und wir wissen es!

Die grassierende Papiertigerphobie ist völlig widersinnig.

 

Die Ur-Angst und die Angst vor Unbekanntem

Das lateinische Wort für «eng» oder «schmal» ist angustus und gilt als die Wurzel des Wortes Angst. Wie kommt es denn dazu, dass die moderne deutsche Sprache genau dieses Wort verwendet? Um das zu deuten, möchte ich für das bessere Verständnis einen Bogen spannen.

Viele Menschen haben Angst vor dem Neuen und vor dem Unbekannten. Stell dir ein Ungeborenes kurz vor seiner Geburt vor. Es muss die schlaraffenlandartige Situation der weiten und wohlig warmen Gebärmutter verlassen, wo ihm alles, was es brauchte, von selbst rechtzeitig und reichlich über die Nabelschnur zufloss und es sich um nichts zu kümmern brauchte.

Nun muss es mit dem Nahen der Geburt diese Weite mit zunehmender Enge tauschen und vom freischwebenden Zustand in extreme An- und Einspannung wechseln. Sein Köpfchen verliert sämtliche Bewegungsfreiheit und wird im kleinen Becken der Mutter fast wie in einen Schraubstock gepresst. Zudem ist es von allen Seiten eingespannt und wird gegen ein Hindernis gedrückt. Das noch ungeborene Kind bleibt in einer subjektiv als aussichtlos empfundenen Situation stecken. Zu allem hin muss es sich auch noch auf den Kopfsprung in eine ihm völlig unbekannte Welt einstellen. In einer solchen Situation entsteht Angst.

Die Situation in dieser Enge, diese Ur-Enge, ist also gleichbedeutend mit der Ur-Angst des Menschen, was bis in die heutig gebräuchliche Sprache hinein nachvollziehbar ist.

Es ist für uns, für dich, von grösster Wichtigkeit, zu erkennen, dass an dieser ersten, mit der Ur-Enge verbundenen Angst niemand Schuld hat. Sie gehört ganz einfach zum Leben dazu.

Genauso wie es zum Leben gehört, Angst überwinden zu lernen.

Auch jeder spätere Übergang im Leben – z. B. vom Kindsein in die Pubertät, von der Pubertät ins Erwachsensein, vom alten zum neuen Job, den Schritt ins Zusammenleben mit seiner Lebenspartnerin, das Coming Out, etc. – verlangt den Mut und die Kraft, die Angst vor dem Neuen, vor dem noch völlig Unbekannten, zu überwinden, und wie das Kind bei der Geburt den Kopfsprung ins Leben oder auf dessen nächste Stufe zu wagen.

Wer die Situation der Ur-Enge bei der Geburt nicht verarbeitet hat, läuft immer wieder Gefahr, mit neuerlichen Situationen und daraus folgenden Engegefühlen, also Angst, konfrontiert zu werden. Du wirst immer wieder mit derselben Aufgabe konfrontiert, bis du sie bewältigt hast. In seltenen Fällen ist das allerdings nur eine einzige Aufgabe. Das sind im Gegenteil oft so zahlreiche Aufgaben, dass du den Überblick verlierst und dadurch in die Ablehnung der anstehenden Aufgaben verfällst. Und so entstehen schliesslich Krankheiten und Krisen.

 

Angst ist häufig völlig sinnfrei

Es erstaunt mich immer wieder, dass wir lieber Krankheiten und Krisen in Kauf nehmen, als uns der Angst endlich zu stellen! Gehörst du auch dazu?

Trittst du lieber an Ort und Stelle, als dass du eine neue, unbekannte Aufgabe angehst? Denn wer weiss schon, was da so auf dich zukommt? Du bleibst also lieber in deiner Komfortzone, als dass du über den Tellerrand schaust. Sitzt du lieber in einem warmgefurzten Sessel, auch wenn er nicht mehr sonderlich bequem ist, als dass du dir einen neuen zulegst? Schliesslich hast du dich so an ihn gewöhnt. Kennst du das?

Verharrst du lieber in deinem alten Job, als zu kündigen? Wer weiss denn schon, ob du überhaupt wieder eine Anstellung findest? Also stehst du lieber jeden Morgen auf und beklagst dich darüber, dass du wieder in diesen Scheissjob gehen musst. Lieber hast du einen Scheissjob als gar keinen. Denkst du so?

Lebst du lieber in einer Beziehung, die dich viel eher belastet, als dass sie dir guttut? Denn wer weiss schon, ob du wieder jemanden findest, mit dem du dein Leben teilen möchtest? Du bist lieber unglücklich zu zweit, als glücklich alleine. Kommt dir das bekannt vor?

Gehst du die anstehenden Veränderungen nicht an, weil du Angst davor hast? Du möchtest dich eigentlich schon längst verletzlich, und authentisch zeigen? Hast aber Angst davor, weil es sich für dich anfühlt «wie sterben»? Du möchtest endlich wieder in den Zug des Lebens steigen und deinen Fähigkeiten vertrauen? Hast aber Angst, «zu versagen»? Du möchtest neu durchstarten? Hast aber Angst, dass deine «Gesundheit nicht mitmacht»? Du möchtest endlich eine Beziehung mit deiner Traumfrau? Hast aber Angst davor, es ihr zu sagen, weil du denkst, dass du ihr «vielleicht nicht so viel bedeutest»?

Merkst, verstehst du jetzt, wie irrational, unangemessen und sinnfrei diese Angst ist?

Du wirst es nicht erfahren, solange du dich der Verarbeitung deiner Angst nicht stellst und sie nicht anpackst.

 

Weshalb Hypnose gerade bei frei flottiernder und neurotischer Angst sowie Phobie so wirkungsvoll ist

Viele Menschen finden den Weg zu mir, weil es ihnen so oder ähnlich geht. Gerade gestern war eine Klientin mit nagenden Selbstzweifeln, starken Kopf- und Rückenschmerzen, einer tiefsitzenden Trauer und unsagbaren Wut bei mir. Während der Hypnosesession stellte sich dann heraus, dass alle diese Gefühle, Emotionen und Empfindungen aus einer grossen Angst heraus entstanden waren. Auslöser für diese Angst war ein traumatisierendes Ereignis, das sie erlebte, als sie noch ein Baby war.

Sie teilte mir immer wieder mit – in tiefer Hypnose, notabene -, dass sie eine riesige Erleichterung verspüre, weil diese Angst nicht mehr da sei. Hypnose löst Blockaden aufgrund irrationaler und unangemessener Angstreaktionen (in Form von frei flottierender Angst, neurotischer Angst und Phobie) deshalb so effizient auf, weil sie dort ansetzt, wo sie entstanden sind: im Unterbewusstsein.

Direkt nach der Session sagte die Klientin freudestrahlend: «Ich habe nicht nur keine Angst sondern auch keine Rückenschmerzen mehr.»

Ein anderes Mal kam ein Klient zu mir, den eine unsägliche Angst vor engen Räumen und Menschenansammlungen quälte. So sehr, dass er sich nur noch dann in entsprechende Situationen und unter Menschen wagte, wenn es nicht anders ging. Wir stellten fest, dass diese Angst tatsächlich kurz vor seiner Geburt ihren Ursprung hatte. Er war nur mit der Hilfe einer so genannten Geburtszange zur Welt gekommen. Er willigte ein, und ich führte ihn durch eine wundervolle, liebevolle Geburt ohne Hilfsmittel. Die Angst hatte sich danach in Nichts aufgelöst.

Ich finde das grossartig. Du sicherlich auch, nicht wahr?

Herzlich, Monica

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Kommentare (5)

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    Michael Bauer

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    Manchmal erscheint es eben einfacher die Angst entweder zu verdrängen oder sich ihr nicht zu stellen. Manchmal ist aber auch einfach noch nicht die richtige Zeit dafür. Rückführung in Hypnose ist da wirklich ein sehr geeignetes Mittel, allerdings haben hier auch noch viele Menschen Angst davor 🙂

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    Birgit Tannhäuser

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    Gewisse Angstzustände sind überlebenswichtig, aber man sollte schon noch erkennen können, wann Ängste blockieren und das Leben unerträglich machen. Hier hilft gewiss eine gute Hypnose, die Blockaden auflösen kann und das Alltagsleben wieder lebenswert macht.

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      Monica Rehm

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      Sehr geehrte Frau Tannhäuser, herzlichen Dank für Ihre Anmerkung. Genau, Hypnose ist DIE Menthode der Wahl, wenn es darum geht, Blockaden durch Ängste und/oder Phobien aufzulösen. Die Rückmeldungen meiner Klientinnen und Klienten bestätigen das immer wieder. Es ist einfach toll, miterleben zu dürfen, wie sie nach ihrer Hypnosetherapie aufblühen und Freude am Leben haben. Herzlich, Monica Rehm

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    Birgit Tannhäuser

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    Es ist einfach die Kunst unterscheiden zu können, wann Angst Sinn macht und wann zur Blockade führt. Krankhafte Angst kann den Menschen lähmen und in seinen Vorgehen begrenzen. Guter Artikel!

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      Monica Rehm

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      Herzlichen Dank für Ihre Wertschätzung, liebe Frau Tannhäuser!

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