Israel wirkt wie eine gute Hypnose

israel-tlv                      Foto ©2016 Monica Rehm                              

 

Noch nie ist es mir dermassen schwergefallen, Abschied zu nehmen. Und ich bin schon sehr viel und weit gereist, und stets bin ich wieder gerne in die Schweiz zurückgekehrt. Zurück in meine vertraute Welt, mein liebgewonnenes Umfeld, zu meinen Liebsten, in das Gewohnte, das Geregelte, in die Routine.

Doch dieses Mal ist es einfach anders. Alles ist anders.

Ich tauchte ein in eine mir völlig fremde Welt. Offen für das, was mich erwarten würde. Das Abenteuer Business Coaching mit Start in Israel, genauer gesagt in Tel Aviv, erwartete mich. Israel erwartete mich.

Ich war zuvor noch nicht in diesem Land. Hörte und las immer nur das, was man landläufig in den Medien zu hören und zu lesen bekommt. Bis ich in der Schweiz in den ersten Kontakt mit meinen israelisch-jüdischen Freundinnen kam. Mittlerweile und viele lustige, gemütliche, liebevolle, argumentationsreiche, belebende Momente später sind mir diese Freundinnen sehr ans Herz gewachsen.

Gerade eine Bemerkung vorweg: Israelisch und jüdisch ist nicht dasselbe. Viele Israelis sind zwar jüdischen Glaubens, aber eben lange nicht alle. Es gibt auch christliche und arabische Israelis. Gut, das macht es nicht einfacher. Im Gegenteil, es ist noch komplizierter …

Zurück zu den erwähnten Freundinnen. Durch sie erfuhr ich eine andere Seite, eine mir bis dato komplett unbekannte Seite. Endlich bekam ich eine andere Sicht der Dinge. Eine Sicht, wie sie in unserer Welt so nicht erkannt und nicht anerkannt wird. Das Land Israel und seine Menschen erhielten eine derart grosse Faszination, die ich unbedingt stillen musste.

Und wie in einer glücklichen Fügung kam diese wunderbare Gelegenheit für ein Business-Coaching mit Start in Tel Aviv. Da musste ich einfach zugreifen! Wie schön, dass ich nun die Möglichkeit erhielt, in diese Welt einzutauchen. Offen für die kommenden Erfahrungen und mit allen Sinnen. Und so tauchte ich in diese Welt ein.

Nach fünfzehn Tagen reise ich zurück. Ich sitze im Flieger und sinniere. Voller Eindrücke, die ich noch nicht verarbeitet habe. Fasziniert ob dieser komplett anderen Welt. Ich hatte ja keine Ahnung!

Israel ist eine Mischung aus Vielem. Europa, und doch nicht. Naher Osten, und doch nicht. Und doch von beidem etwas. Und Israel ist eines der sichersten Länder dieser Welt! Dieses Land hat von der Pieke auf gelernt mit allzeit präsenter Bedrohung von allen Seiten sowie mit Terrorismus umzugehen. Wenn ein Land weiss, wie solche Situationen sicher zu handeln sind, dann Israel. Zudem fühlte ich mich als allein reisende Frau zu keiner Zeit unsicher, auch des Nachts nicht. Ich wurde niemals dumm angemacht oder bedrängt. Ich hatte meine Ruhe, und die wurde respektiert! Und ich fühlte mich in Tel Aviv sicherer als in manch europäischer Stadt!

Die Israelis sind zwar sehr direkt und suchen gerne den Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern, doch sie tun dies stets in der ihr sehr höflichen und respektvollen Art. Sie sind sehr pragmatisch, flexibel und sehr tolerant. Ich hatte ganz tolle Begegnungen mit faszinierenden Menschen.

Die Israelis reden zudem nicht um den heissen Brei, sie kommen sehr schnell zum Punkt. Sie lieben es, zu argumentieren und haben einen wunderbaren Humor. Das gefällt mir ausgesprochen gut! Ich bin auch so und fühlte mich daher sofort verstanden. Die Israelis kommen mit mir besser zurande als viele SchweizerInnen …

Meine Erziehung gab mir den Respekt für die Würde anderer Menschen mit. Ich bin so erzogen, dass es für mich völlig selbstverständlich ist, anderen Menschen mit Anstand, Höflichkeit und Respekt zu begegnen. Und das wurde von den Israelis stets sehr geschätzt. Sie meldeten mir dies in unseren Gesprächen gerne immer wieder zurück.

Ich machte gerade und nur mit ausländischen Touristen jedoch andere Erfahrungen. Menschen, die sich aufführten, als wären sie bei den «unzivilisierten Wilden» zu Besuch, ohne Anstand und ohne jeglichen Respekt. So als wären die Israelis ihre Sklaven!

Das hat mich zutiefst schockiert. Die von diesem unmöglichen Benehmen betroffenen Israelis, insbesondere im Gastgewerbe, die Menschen, die da arbeiten, wo andere Urlaub machen, klagten mir des Öfteren ihr Leid. Umso erfreuter waren sie natürlich, mir zu begegnen und machten gerne meine Bekanntschaft. «You are so friendly and so polite.», bekam ich deshalb immer mal wieder zu hören.

So kam es, dass sie sich nicht nur einmal nach ihrem Feierabend zu mir setzten und mit mir anfingen zu plaudern und ein, zwei Bier oder Wein mit mir tranken. Das waren für beide Seiten äusserst bereichernde Momente, die durchaus auch zu Stunden wurden.

Ich möchte hier stellvertretend von zwei Begegnungen berichten, die mir sehr viel bedeuten. Die erste Begegnung hatte sich so abgespielt, wie oben eben beschrieben. Ich war nach einem meiner Nachmittage am Strand sehr hungrig und kreuzte auf meinem Marsch entlang der Strandpromenade ein Beachrestaurant namens Banana Beach. Das sprach mich an, also setzte ich mich da an einen der kleinen Tische auf einer Empore, mit Sicht auf die anderen Tische im Sand, vor dieser Empore, den Strand und das Meer.

Nach einer längeren Weile kam die Bedienung, eine junge Frau, und brachte mir die Karte auf Englisch. Nach einer weiteren Weile machte ich meine Bestellung. Als sie mir dann Essen und Trinken brachte, fing sie mit mir an zu plaudern. Sie wollte als Erstes wissen, woher ich sei, und wir kamen in ein erstes kurzes angeregtes Gespräch.  

Als ich mit Essen fertig war, fragte sie in der typisch israelisch-direkten Art, ob sie einkassieren dürfe, sie hätte Feierabend, und wenn ich nichts dagegen hätte, würde sie gerne noch ein bisschen mit mir reden. Und so holte sie mir und für sich selbst noch ein Bier und setzte sich zu mir. Wir vertieften uns direkt in ein sehr interessantes Gespräch und sie erzählte mir aus ihrem Leben.

Sie ist Anfang 30 und Schauspielerin. Das Leben als Schauspielerin in Israel ist hart, weil es erstens ein kleines Land ist und zweitens die Schauspielerei einen schweren Stand hat. Und so arbeitet sie in zwei verschiedenen Restaurants, einmal als Servierkraft und einmal als Barkeeperin. Wenn sie am einen Ort fertig ist, geht sie kurz nach Hause, sich umziehen und dann zum anderen Job in einem italienischen Restaurant, das etwas mehr in der Stadt gelegen ist. Damit kann sie sich einigermassen über Wasser halten. Als ich sie frage, in was für einem Verhältnis sie angestellt sei, sagt sie, sie erhalte lediglich das, was die Leute ihr an Trinkgeld geben würden. Nix mit Stundenlohn oder Monatsgehalt, nur das Trinkgeld! Wow!

Sie hat glücklicherweise ab und zu Aufträge für Werbedrehs, die ihr etwas mehr Geld in die Kasse spülen. Ich ziehe den Hut vor so viel Stehvermögen! Du musst wissen, dass Israelis sehr kreativ sind, wenn es darum geht, sich ihr Leben zu finanzieren. Doch das ist sehr anstrengend! Und bei allem bleiben sie immer frohen Lebensmutes.

Das Leben in Tel Aviv ist sehr teuer. Die Preise können teils sogar mit Schweizer Preisen mithalten. Diese Erkenntnis hat mich ziemlich erschüttert. Und so sind auch die Mietpreise für Wohnungen sehr hoch. Es kommt daher nicht selten vor, dass sich mehrere Menschen eine kleine Wohnung teilen. Das Leben spielt sich denn auch zu einem grossen Teil draussen ab. Tel Aviv ist eine Stadt, die niemals schläft. Es ist abends, da die Menschen gerne Zeit miteinander verbringen, und das sehr lebhaft. Wer möchte denn auch die ganze Zeit in einer kleinen Wohnung praktisch «aufeinander» hocken, ohne Platz und Raum für sich selbst.

Die zweite Begegnung hat mich ebenfalls sehr bereichert. Eines Abends kam ich von meinem Spaziergang durch die Stadt ins Hotel zurück, und da sassen sie. Ich wollte eigentlich reingehen, als ich gerufen wurde, ich solle mich doch dazusetzen. Es wurde zu einer sehr geselligen Runde. Mein Coach stellte mich der Dame vor und meinte spassig, sie gehöre schon praktisch zum Inventar des Hotels. «Zippi» ist eine wohlbekannte Tel Aviver-Persönlichkeit. Wir sind gute Freundinnen geworden.

Durch sie habe ich noch mehr über das Leben in Israel und Tel Aviv im Besonderen erfahren. Über die Ängste und Sorgen der Israelis und darüber wie sie damit umgehen. Das Motto lautet: Wir lassen uns durch nichts unterkriegen, und seien die Umstände noch so widrig. Wir machen immer das Beste daraus und bleiben optimistisch! Das verdient echt meine Hochachtung!

Ich bin davon überzeugt, dass mir mein Respekt und meine Offenheit für andere Menschen und Kulturen die Begegnungen mit diesen wunderbaren einheimischen Menschen ermöglichte. Dafür bin ich sehr dankbar!

Ich habe nicht nur das Land Israel in seiner Vielfalt erfahren dürfen, sondern lernte auch einige seiner wunderbaren Menschen kennen!

Israel ist ein kleines Land und vereint auf engem Raum viele verschiedene Menschen und Kulturen, die friedlich nebeneinander existieren, sowie unterschiedliche Landschaften und Klimazonen. Es ist faszinierend, wie sich innerhalb weniger Kilometer das Bild total verändert. Wer eintaucht in diese Welten, der ist in der ersten Zeit ob der vielen Eindrücke erst einmal überfordert. Es braucht Zeit, um in Israel anzukommen und zurechtzukommen. Zudem werden hauptsächlich zwei Sprachen gesprochen, die mit den uns bekannten sehr wenig zu tun haben: Ivrit (Hebräisch) und Arabisch. Kommt erschwerend dazu, dass diese Sprachen auch noch andere Schriften verwenden.

Und je tiefer man eintaucht, desto mehr merkt man, dass die Strukturen noch viel verwobener sind, als es scheint. Es ist nicht erklärbar, man muss es selbst erfahren. Wer dafür bereit und offen ist, erfährt dieses Land in seiner ganzen Kraft, und die kann einen schon fast umhauen.

Es hat mit dem, was in unseren Medien berichtet wird, nur sehr wenig bis gar nichts zu tun. Das, was wir lesen, sehen und hören wird diesem Land in keinster Art und Weise gerecht. Es ist im Gegenteil eine Schande, dass fast nur Lügen darüber verbreitet werden! Wie sollen wir es jedoch besser wissen, wenn wir nicht da gewesen sind? Ich weiss es jetzt besser, und es macht mich sehr traurig …

Israel hat eine viel stärkere Wirkung auf mich, als ich dachte. Israel hat mich verändert, und das so subtil, dass mir das erst jetzt langsam so richtig bewusstwird. Das Land, die Menschen, die Eindrücke, die Erlebnisse und Erfahrungen haben ihre Spuren in meine Seele gemalt. Israel hat mich so positiv verändert, wie das sonst nur eine gute Hypnose vermag.

Und genau deshalb fällt mir der heutige Abschied so schwer. Ich werde wiederkommen, das weiss ich jetzt, wo ich im Flieger nach Hause sitze, Rotz und Wasser heule, ganz sicher. Dieser Anker sitzt!

Es ist alles anders. Ich bin anders. Meine neue Transformation hat gerade erst begonnen.

Herzlich, Monica

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Kommentare (6)

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    Gnoemli

    |

    Hallo Momo Danke für deinen Blog es ist wie eine Zeitreise so wie du schreibst sehr
    Interessant danke für die Geschichte darfst gerne mehr solche Geschichten schreiben.
    Dir mal Taschentuch reicht und nochmals danke für die tollen Bilder die du auf FB gepostet hast !!!

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      Monica Rehm

      |

      Herzlichen Dank, liebe Sibylle! Es freut mich, dass dir meine Artikel und meine Bilder gefallen. Hab eine gute Zeit! Herzlich, Monica

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    Marianne

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    Hallo Momo
    Vielen Dank für diesen spannenden und interessanten Artikel.
    Da kriegt man grad Lust, auch mal in dieses Land zu reisen.
    Ich habe bis jetzt nur am Flughafen Bekanntschaft mit Israelis gemacht und
    spreche sogar einige Brocken Hebräisch.
    Willkommen wieder “zu Hause” in der Schweiz und sonnige Grüsse, Marianne

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      Monica Rehm

      |

      Liebe Marianne, herzlichen Dank! Ja, Israel ist immer wieder eine Reise wert! Ich bin dabei, Ivrit zu lernen. Hab eine gute Woche! Herzlich, Monica

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    Tanja Falge

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    Liebe Momo,

    vielen herzlichen Dank für diesen wundervollen Einblick, der mir am Ende sogar eine Ganzkörpergänsehaut verschaffte.

    Ich mag den Klang der arabischen Sprache total und hatte in Berliner Gastronomie-Zeiten einige befreundete Familien aus dem arabischen Raum, für die ich heute noch sehr dankbar bin.

    Als Coach bin ich sehr gespannt, ob Du in nächster Zeit auch davon noch etwas schreiben wirst.

    Aber noch gespannter, wann Du wieder im Flieger sitzt .

    Eine wundervolle fruchtsame Zeit im Kreise Deiner Herzenserinnerungen wünsche ich Dir!

    Liebe Grüße aus Bayern
    Tanja

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      Monica Rehm

      |

      Liebe Tanja, herzlichen Dank für deine berührenden Zeilen! Israel ist wirklich viele Reisen wert. Die nächste steht schon auf dem Plan. Hab eine gute Woche! Herzlich, Monica

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